Öffentliches Fachgespräch zum Thema Alphabetisierung im Paul-Löbe-Haus: PROSON war dabei!
10. Februar 2012 in Alphabetisierung | Grundbildung
Am 08.02.12 fand im Bundestags-Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung in Berlin ein öffentliches Fachgespräch zum Thema “Alphabetisierung” statt. Als Sachverständige kamen Ulrich Aengenvoort (Deutscher Volkshochschul-Verband e. V.), Matthias Anbuhl (Deutscher Gewerkschaftsbund, Bundesvorstand), Prof. Dr. Anke Grotlüschen (Universität Hamburg), Peter Hubertus (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V.), Dr. Günter Lambertz (Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.), Dr. Jörg Maas (Stiftung Lesen) und ein Vertreter des BAMF zu Wort.
Die Ergebnisse der Fachtagung waren u. a.:
- 90% der Alpha-Kurse an VHS bundesweit
- 7,5 Mio. funktionale Analphabeten (FA) in Deutschland
- Bundesverband Alphabetisierung fordert Nationale Alphabetisierungsdekade (vergleichbar mit England) derzeit 20.000 FA in Kursen bundesweit, zukünftige Steigerung auf 120.000 FA gefordert
- Länderinitiativen sind gefordert: Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Mobilisierung der Betroffenen, Kursangebote anzunehmen, u. a. Mitwirkung öffentlich rechtlicher Sender und Kurse für 120.000 arbeitslose FA und FA in Arbeit pro Jahr
- Kursfinanzierungen sowohl vom Bund als auch von Arbeitsagentur gefordert, Grundbildung als Weiterbildung fördern (fehlende Grundbildung als Berufsintegrationshemmnis anerkennen) sowohl für arbeitssuchende FA als auch für FA in Arbeit
- allgemeingültiges Curriculum muss erarbeitet werden, angelehnt an Curriculum des BAMF für Integrationskurse
- “Train the Train”-Angebote für Lehrende
- Thematisierung “Funktionaler Analphabetismus” zukünftig bereits in Lehrer- und Erzieherausbildung
Vorhaben u. a.:
- DGB: will Lernberater in Unternehmen ausbilden
- VHS-Verband: will Kurse für jährlich 120.000 FA durchführen und Lehrer ausbilden
- Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V.: plädiert für eine 10-jährige nationale Dekade zur Alphabetisierung, will als Institution langfristig gefördert werden und federführend für die Bundesländer inhaltlich agieren, sensibilisieren und
mobilisieren. - Bamf: will weiterhin Integrationskurse mit Alphabetisierung durchführen mit höheren Kurs-Teilnehmerzahlen
- Uni Hamburg: arbeitet bis 2013 an PIAAC (PISA für Erwachsene). Die Studie bietet eine grundlegende empirische Grundlage für politische Interventionen und gesellschaftliche Veränderungen.
- DIHT: bekräftigt die Verantwortung der Schulausbildung zur Verhinderung von funktionalem Analphabetismus, befürwortet Kooperationen zwischen Unternehmen und Alpha-Anbietern (1% Steigerung der Lese- und Schreibfähigkeit bedeutet 2% Steigerung der Produktivität im Unternehmen)
- Stiftung Lesen: realisiert das 8-jährige Projekt “Lesestart” (Vorlesepaten in Kitas und Schulen, erste Bücher für Vorschulkinder und Erstklässler)
Fazit:
Das Thema “Funktionaler Analphabetismus” ist endlich auf der Regierungsebene angekommen. Man spricht darüber und sucht aktiv nach echten Chancen für Betroffene auf mehr sprachliche und berufliche Teilhabe. Auf Bundes- und Länderebene sollen unterschiedliche Behörden, Bündnisse, Kooperationen, Projekte usw. dafür sorgen, dass die Richtlinien und Ideen von “Schavans Grundbildungpakt” realisiert werden.

